RiftFeed | [UPDATE] Horror-Saison von TSM findet kein Ende
Nur ein Sieg aus den ersten neun Spielen

[UPDATE] Horror-Saison von TSM findet kein Ende

Esports
TSM TL Loss
Die Jungs packen die Sachen nach der Niederlage gegen Team Liquid am Sonntagabend. | © Riot Games

TSM-Fans auf der ganzen Welt leiden mit ihrem Team. In den letzten Wochen und mittlerweile sogar Monaten scheint es nur noch bergab zu gehen. Nach einem miesen Start in den Spring Split haben die Spieler noch lange nicht zueinander gefunden - im Gegenteil: Die internen Unstimmigkeiten gehen weiter, vonseiten der anderen Teams und - wer hätte es gedacht - den Fans wächst die Kritik an der Richtung, in die das schwer angeschlagene NA-Flaggschiff steuert. Kann diese Saison noch gerettet werden?

[Update 04. März 2022]

Das Roster-Roulette nimmt wieder Fahrt auf

Der Spring Split der LCS hat ihren Höhepunkt erreicht, und nachdem TSM aus der ersten Hälfte der Spiele nur einen Sieg mitnehmen konnte, wird das Roster ein weiteres Mal umgestellt. Shenyi, der als Support die Saison begann und nach Woche 2 ins Academy Roster gesteckt wurde, bekommt jetzt sein Comeback in der LCS. TSM-Coach Chawy spricht in einem Interview mit Upcomer.com von "deutlichen Verbesserungen", die Shenyi in den letzten zwei Wochen gemacht hat. 

Dabei soll es aber nicht bleiben, denn neben einem Wechsel auf der Botlane wird es für TSM dieses Wochenende auch einen neuen Midlaner geben. Keaiduo soll "temporär" zu TSM Academy wechseln, für ihn kommt Cha "Takeover" Hyeun-min in den LCS-Kader. 

Damit soll Keaiduo, der gemeinsam im Winter mit Shenyi aus China zu TSM gewechselt ist, mehr Zeit bekommen, um mit weniger Druck zu trainieren und sich zu verbessern. In den ersten Wochen des Spring Splits konnte er den Erwartungen an ihn noch nicht gerecht werden. 

Wir sind gespannt, ob das neue TSM-Roster am Wochenende um den Sieg kämpfen kann. Ob das der Fall sein wird, könnt ihr am Samstagabend und in der Nacht zu Montag mitverfolgen. Drücken wir den Jungs die Daumen. 

[Original Artikel]

Im Verlauf des letzten halben Jahres wurde die gesamte Organisation auf den Kopf gestellt. Neben Coach Bjergsen verließen nicht nur ein Haufen Spieler das ehemalige Top-Team der LCS, sondern auch viele Personen, die das Team jahrelang mit geprägt haben. Darunter Leena Xu, die als Team-Präsidentin fast zehn Jahre das operative Geschäft leitete. Dazu wechselte auch noch der Coach und der General Manager. Es waren also alle Zeichen auf Neuanfang gerichtet. 

Wer hat mit so einem Start gerechnet?

Ehrlich? Dass es schwer werden würde, damit haben wohl die Verantwortlichen bei TSM und die Fans beide gerechnet. Allerdings wurden die Probleme zu Saisonstart nicht weniger, sondern von Woche zu Woche mehr. Auch am letzten Spieltag sah man kaum einen Silberstreif am Horizont. Beide Spiele, sowohl gegen Counter Logic Gaming als auch das Wiedersehen mit Bjergsen und Team Liquid gingen klar verloren. 

Die Krone wurde dem Ganzen noch aufgesetzt, als der Regisseur der TSM Legends-Serie bekannt gab, dass er die Organisation verlässt. Zum Schluss seines Statements dankt er einer Menge Leuten, mit denen er in seiner Zeit bei TSM zusammengearbeitet hat. Darunter Leena, Bjergsen, Spica und auch Parth, der lange Jahre als Coach und GM bei TSM tätig war. Wer bleibt dabei unerwähnt? Owner Reginald. 

Welche Rolle spielt Reginald in dem Drama?

In der LCS-Community und mittlerweile auch in der Esports-Presse ist Owner und TSM-Gründer Reginald eine kontrovers diskutierte Person... gelinde gesagt. Der ehemalige TSM-Botlaner Doublelift plauderte einiges über den Owner aus, was diesen in einem ziemlich schlechten Licht stehen lässt. Dabei spricht er von weitgreifender Belästigung und Misshandlung. 

Natürlich darf man diese Anschuldigungen nicht automatisch für bare Münze nehmen. Auch Reginald meldete sich nach den Äußerungen von Doublelift zu Wort und schilderte seine Sicht der Dinge. Ganz davon ab, was man von der ganzen Auseinandersetzung glaubt, eine solche öffentliche Auseinandersetzung zwischen Spieler und Owner spricht Bände über das Innenleben der Organisation. Auch wenn solche Konflikte mit weniger etablierten Spielern unwahrscheinlicher sind, zeigt sich bei TSM ein hohes Konfliktpotenzial

Ganz haltlos sind Doublelifts Vorwürfe auf jeden Fall nicht. Riot Games untersucht den Vorfall selbst, ein Ergebnis der Untersuchungen steht aber noch nicht fest. Das solche Nachrichten rund um das Team auch für die Spieler eher kontraproduktiv sind, ist wohl klar. 

Wie geht es den Spielern überhaupt?

Zu dem ganzen Drama um das Management bei TSM kommt auch noch, dass die Spieler noch nicht zueinander gefunden haben. Wie in diesem Artikel bereits erwähnt, wurde das TSM Roster vor dem Spring Split mächtig durchgemischt. Mit Keaiduo und Shenyi kamen zwei junge Talente aus China zu TSM, die ohne Frage mit vielen Hürden zu kämpfen haben, bevor sie sich überhaupt Gedanken um die Liga machen können. 

TSM 2022 Roster
Das ist das TSM-Roster für 2022. Shenyi (2.v.l) hat seinen Platz erstmal an Yursan abgegeben. | © TSM

Shenyi ist 19 Jahre alt, sein Midlaner 20 Jahre, und beide befinden sich auf ihrer ersten Station im Ausland. Das bedeutet also, sich ans neue Zuhause zu gewöhnen, die Sprachbarriere mit den Teammates zu überwinden und dann noch in der LCS die erwartete Leistung zu bringen. Klingt nach einem besonders schwierigen Spagat, oder? Dementsprechend wurde Shenyi noch mehr Zeit gegeben. Vor etwa zwei Wochen wechselte TSM ihn gegen den Academy-Spieler Yursan aus - auch der muss hohen Ansprüchen gerecht werden. 

Wie sieht es also für die nächsten Monate aus bei TSM? Man kann wohl sagen, die Zukunft ist ungewiss. Am wichtigsten ist, dass das LCS Roster so viel vom Drama wie möglich ausblendet und allen Fokus darauf legt, als Team zusammenzuwachsen. 

Erste Fortschritte sind wohl schon erkennbar, das sagt auch Jungler Spica in einem Interview mit Inven Global. Zwar habe er alle Hände voll zu tun, sich um sein eigenes Spiel zu kümmern, zu shotcallen und gelegentlich für Midlaner Keaiduo zu übersetzen, aber es gehe voran. Keaiduo arbeite an seinen Englischkenntnissen, Yursan sei sehr wissbegierig und die Botlane wird von Spiel zu Spiel besser. 

Man kann also von vorsichtigem Optimismus sprechen. Das ist natürlich bei einem Stand von 1-8 nicht einfach, aber Spica hat das Ziel Playoffs noch nicht aufgegeben. Je mehr das Team an einem Strang ziehe, desto besser werde alles. Die Chemie außerhalb der Kluft stimme schonmal. Was er den TSM-Fans noch mit auf den Weg geben wolle? Ein Wort: Geduld.